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Stille Hilfe von Mensch zu Mensch

Die Bopparder Vinzenz-Konferenz gewährt seit 125 Jahren in Not Geratenen schnelle und unbürokratische Unterstützung.
Weihnachten - das Fest der Liebe. Eine Welle der Hilfsbereitschaft erfasst das Land. Nach dem Christfest ebbt sie schnell wieder ab. Gut, dass es Menschen gibt, deren Hilfe das ganze Jahr über Bestand hat.


Vinzenz-Konferenz agiert weltweit
Die Bopparder Vinzenz-Konferenz ist ein eingetragener Verein und zugleich Teil einer internationalen katholischen Laienorganisation. Namensgeber ist der heilige Vinzenz von Paul, 1581 in der Gascogne (Südfrankreich) geboren und 1669 in Paris gestorben. Der Priester gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas. Er kümmerte sich selbstlos um Kranke, Bettler, verwahrloste Jugendliche, Sträflinge und Vertriebene. 1833 wurde in Paris die erste Vinzenz-Konferenz gegründet. Die erste Gründung in Deutschland erfolgte 1845. Weltweit gibt es 50 000 Konferenzen in 134 Ländern. 300 sind es in Deutschland, aber nur drei im Bistum Trier: neben Boppard noch in Wittlich und Saarbrücken.


BOPPARD. In aller Stille helfen - dieses Motto beherzigt die Vinzenz-Konferenz in Boppard. Und das seit nunmehr 125 Jahren. Die Mitglieder des kirchlichen Vereins wirken fernab jedweden öffentlichen Trommelschlages.
Die Hilfe kommt prompt, und sie kommt von Angesicht zu Angesicht. Im Jahresdurchschnitt unterstützen die Mitglieder der Vinzenz-Konferenz 20 bis 30 Menschen aus der Kernstadt Boppard und Buchenau, die, aus welchen Gründen auch immer, in Not geraten sind.
Weihnachten ist das ganze Jahr oder gar nicht. Diesem hehren Anspruch an das christliche Fest der Liebe kommen die "Vinzenzianer" aus Boppard recht nahe, obwohl sie es selbst niemals so sähen. Denn Bescheidenheit im persönlichen Wirken ist ein Charakteristikum des Vereins - streng nach dem Motto "Tue Gutes und rede nicht darüber".
Die kleine Mannschaft der Bopparder Vinzenz-Konferenz hat eine große Tradition. Zusammen mit 300 weiteren Vereinen in Deutschland, die im Geiste des französischen Heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660), dem "Apostel der Caritas", wirken, verbreitet das Bopparder Team seit 1882 Freude und Hoffnung. Die Hilfe wird "in persönlicher Begegnung von Mensch zu Mensch" und "ohne Ansehen von Religion, Ideologie, Rasse oder Kaste" gewährt. So steht es in der "Grundordnung der Gemeinschaft der Vinzenz-Konferenzen Deutschlands" geschrieben.
Die acht Bopparder Mitglieder kommen alle 14 Tage zusammen und besprechen die Fälle. Zuvor haben sie die Hilfsbedürftigen besucht und sich persönlich ein Bild von der Situation gemacht. In der vergangenen Woche hat Gerhard Schäfer, seit vorigem Jahr Vorsitzender der Bopparder Vinzenz-Konferenz, eine Frau aufgesucht, die in ihrer Wohnung völlig im Dunklen saß. Der Stromversorger hatte ihr den Saft abgestellt, nachdem sie mehrere Rechnungen nicht bezahlt hatte. Nach Beratung mit den übrigen Vereinsmitgliedern überwies Schäfer die 220 Euro Stromschulden.
Die Unterstützung der in Not Geratenen und Hilfsbedürftigen ist vielfältig. Mal werden Rechnungen bezahlt, mal gibt es Bares auf die Hand - wie auch immer: Die Hilfe muss stets personenbezogen sein. So hat der Bopparder Verein einer Person die Grundausstattung der Wohnungseinrichtung bezahlt. Einer Frau, deren Mann plötzlich verstorben war, hat die Vinzenz-Konferenz aus akuter Geldnot geholfen. Der Verein gewährte auch einen Zuschuss für die Zahnprothese, für den Kauf von Medikamenten und für die Beerdigungskosten. Oder er übernahm die Kosten für "Essen auf Rädern". Einer Frau, deren Kind im Kemperhof lag, finanzierte die Vinzenz-Konferenz die täglichen Fahrtkosten von Boppard nach Koblenz. Auch jene Frau, deren Tochter in einer Hamburger Klinik lag, konnte auf die Vinzenz-Konferenz bauen. Sie trug die Kosten für die Unterkunft in einer Hamburger Pension. Manchmal streckt "der Vinzenz" das Geld auch vor, etwa für die Kautionszahlung bei einem neuen Mietverhältnis.
"Wir helfen, wenn wir erfahren, dass jemand in Not geraten ist - auch wenn er die Notlage selbst verschuldet hat", sagt Schäfer und ergänzt: "Wir sind weder Weltverbesserer noch Moralapostel." Es geht um "Hilfe zur Selbsthilfe".

Schäfer und seine Mitstreiter wissen, dass die Not in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren größer geworden ist. Auch das Finanzvolumen für die Hilfeleistung ist gewachsen. Die Vinzenz-Konferenz kann auf zuverlässige Sponsoren zählen. Das sind große Firmen, aber auch viele einfache Bürger, die einfach nur beim Helfen mithelfen wollen.
Wolfgang Wendling

Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Samstag, 22. Dezember 2007, Seite 13