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Idee der gelebten Nächstenliebe
 
     Ingrid Falke
„Zur Zeit habe ich eine richtige Wut auf die Väter meiner Kinder. Sie machen sich aus dem Staub und ich stehe allein da mit den beiden." Die junge Frau ist gerade am Ende ihrer Kräfte. Es ist nicht leicht, allein für die pubertierende Tochter und ihren kleinen Bruder da zu sein. Jeden Tag, ohne einmal Urlaub zu haben. Seit zwei Jahren darf ich am Leben der jungen Familie teilhaben.
Das sage ich bewusst so, denn es ist ein Geschenk, dass sich die junge Frau mir offenbart, damit sie mit meiner Begleitung ihr Leben vielleicht in den Griff bekommen kann. Ich erlebe hautnah was es heißt, mit Hartz IV auskommen zu müssen. Klar, sie ist dankbar für die staatliche Unterstützung. Aber schon die Reparatur der Waschmaschine bringt sie in Bedrängnis. Kennengelernt habe ich die junge Mutter durch die Vinzenz-Konferenz in Boppard. Zurzeit kommen acht Männer und eine Frau alle zwei Wochen zusammen. Sie besprechen die Situation von Menschen in Not in der Stadt Boppard. Jeder Fall wird genau angeschaut und wenn nötig wird direkt und unbürokratisch geholfen. Natürlich geht das nur mit Spenden von Bürgerinnen und Bürgern.
Vinzentiner in Boppard machen ihre Arbeit ehrenamtlich. Seit 119 Jahren gibt es die Konferenz. Zurück geht die Idee der gelebten Nächstenliebe auf den heiligen Vinzenz von Paul. Der lebte vor über 400 Jahren. Sein Konzept war die spontane Hilfe und die persönliche Hinwendung zu den Menschen am Rand der Gesellschaft. Ich bin sehr dankbar, dass es die Vinzenz-Konferenz in Boppard gibt. So ist die Reparatur der Waschmaschine für die kleine Familie kein Drama. Und vielleicht ist ein Ausflug für die drei ja auch noch drin.
Ingrid Falke, Gemeindereferentin

Rhein-Hunsrück-Zeitung, 14.11.2014