Rheinzeitung 10.03.2017

Kolumbarium in der Karmeliterkirche ist Pilotprojekt im Bistum

aktualisiert: 10.03.2017, 16:28 Uhr

Die Karmeliterkirche in Boppard gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Das altehrwürdigen Gotteshaus aus dem 14. Jahrhundert macht jetzt als Pilotprojekt im Bistum Trier für eine besondere Form der Bestattungskultur im Raum Koblenz/Mittelrhein Karriere: Unterhalb der Orgelempore wird ein Kolumbarium eingerichtet. Den etwa 300.000 Euro teuren Bau dieser in hiesigen Breiten außergewöhnlichen Begräbnisstätte innerhalb des sakralen Raumes hat die Kirchengemeinde St. Severus Boppard bereits ausgeschrieben. Voraussichtlich im Mai/Juni werden die Arbeiten beendet sein. So können noch vor Jahresmitte die ersten Bestattungen realisiert werden.

 

Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Kolumbarium, das in der altehrwürdigen Bopparder Karmeliterkirche unter der Orgelempore in den nächsten Wochen entstehen wird. Bis Mai/Juni sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.  Fotos: Suzanne Breitbach

Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Kolumbarium, das in der altehrwürdigen Bopparder Karmeliterkirche unter der Orgelempore in den nächsten Wochen entstehen wird. Bis Mai/Juni sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Foto: Suzanne Breitbach

Die Einrichtung einer Urnenbegräbnisstätte ist zwar primär aus dem Gedanken heraus entstanden, die Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf den dauerhaften Erhalt der Karmeliterkirche sicherzustellen, aber im luftleeren Raum steht diese Lösung nicht. Wurde doch die Karmeliterkirche von Anfang an als Begräbnisstätte von Bischöfen, Adligen und reichen Bopparder Bürgern genutzt. Davon geben die hervorragenden Zeugnisse vergangener Sepulkralkunst Zeugnis.

Nachdem 2012 die Gremien der Pfarrgemeinde St. Severus die Einrichtung einer Urnenbegräbnisstätte in der Karmeliterkirche ins Auge gefasst hatten, setzten heftige Debatten um das Für und Wider einer solchen Form der Nutzung des kulturgeschichtlich bedeutsamen Gotteshauses ein. So mancher Kunstexperte warnte vor dem damit verbundenen massiven räumlichen Eingriff. Auch der Kirchenbauverein St. Severus distanzierte sich von dem Vorhaben.

Das Konfliktpotenzial löste sich bei den meisten Kritikern jedoch in Wohlgefallen auf, als sich Anfang Juni 2016 der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs von den Plänen lossagte, das Kolumbarium im linken Seitenschiff einzurichten, und stattdessen den Raum unter der Orgelempore als geeigneten Ort für ein Kolumbarium ansah. Denn damit war klar, dass weder das Raumempfinden noch die kunsthistorische Integrität der Karmeliterkirche unter dem Kolumbarium leiden würde. „Uns geht es um eine denkmalverträgliche Gestaltung des Kolumbariums“, sagte Willi Nickenig vom Kirchengemeinderat in einer Infoveranstaltung am Mittwochabend.

Pfarrer Hermann-Josef Ludwig hob die pastorale Bedeutung des Kolumbariums hervor. Das Kolumbarium biete die Chance, sich wieder verstärkt der Kernbotschaft des christlichen Glaubens zu besinnen, den Tod als Durchgang zum ewigen Leben wahrzunehmen. Wie schon die frühen Christen sehr vertraut mit den Verstorbenen umgegangen seien, könnte in den Augen des Pfarrers die mitten in der Stadt gelegene Begräbnisstätte in einer der schönsten Kirchen der Region die Bindung mit den Verstorbenen verstärken. „Die altehrwürdige Karmeliterkirche kann wieder zu einem wichtigen Ort der Trauerpastoral im dritten Jahrtausend werden“, sagte Ludwig. Ihm schwebt vor, in der Karmeliterkirche jeden Samstag einen Gottesdienst für die Verstorbenen zu feiern. Anschließend soll die Bestattung stattfinden.

Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling