Bruderschaften

Bruderschaften

von Hans Peter Bock

In früheren Jahren war das kirchliche Leben ohne die Bruderschaften nicht denkbar. In diesen Vereinigungen hatten sich gläubige Menschen zu religiösen oder karitativen Zwecken zusammen geschlossen. Aus Visitationsberichten geht hervor, dass im Jahre 1657 in Salzig eine "Ägidius-Bruderschaft" und eine Bruderschaft von "St. Barbara und Pauli Bekehrung" bestand. Im Jahr 1770 ist die "Altarsakraments-Bruderschaft" genannt. Später kamen noch die Bruderschaften zur "Verehrung des bitteren Leidens Christi", die vom "unbefleckten Herzen Mariä zur Bekehrung der Sünder und zur Befreiung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer" (1872) und die vom "hl. Rosenkranz" (1885) hinzu. Für die Mitglieder der Bruderschaften wurden eigene Statuten aufgestellt. Die Bruderschaften hatten einen eigenen Vorstand der über die Aufnahme von neuen Mitgliedern, über die Höhe des Eintrittsgeldes und der Jahresbeiträge entschied. Er verwaltete gleichzeitig das Vermögen. Zum Vorstand gehörten auch der Pfarrer und der Schutheiß, sowie die Kirchenrechner. Allmonatlich war ein Segensamt für die Mitglieder der Bruderschaften. Nach dem Evangelium wurden die Namen der verstorbenen Mitglieder vorgelesen und dann drei Vaterunser für ihr Seelenheil gebetet. Vor dem Bruderschaftsbild in der Kirche hielt man Andachten für die Anliegen der Vereinigungen. Wurde ein Bruderschaftsmitglied zu Grabe getragen, begleitete ihn eine Bruderschaftskerze.

Neben religiösen Zielen wurden auch weltliche Ziele verfolgt. Durch Eintrittsgelder und die jährlichen Beiträge verfügten die Bruderschaften über ein ansehnliches Vermögen. Auch wurden den Bruderschaften von gläubigen Christen größere Geldsummen oder ein Stück Land vermacht. Dadurch waren sie nicht nur in der Lage die ständigen Ausgaben für kirchliche und andere Zwecke zu bestreiten, sondern konnten auch Geld ausleihen. Da es zur damaligen Zeit noch keine Kreditinstitute im heutigen Sinne gab, waren es die Bruderschaften, die den Bauern und Winzern oder einer armen Gemeinde, Geld ausliehen. Dieses Darlehen wurde ausschließlich Pfarrangehörigen sowie den Gemeinden Salzig und Weiler gewährt. In den Not- und Kriegszeiten, bei Brandschatzungen waren die Gemeinden froh, wenn ihnen Geld vorgeschossen wurde.

Im laufe des 19. Jahrhunderts verloren die Bruderschaften an Bedeutung. Pfarrer Nick berichtete im Jahr 1869 dem Generalvikar, dass in den letzten Jahren keine neue Mitglieder mehr aufgenommen worden sind und kein Brudermeister mehr gewählt worden war. Das Generalvikariat ordnete somit die Auflösung der Bruderschaften an.

Die letzte in Salzig bestehende Bruderschaft, die "St. Ägidius-Bruderschaft" stellte am 31. März 1973 ihre Tätigkeit ein. Die "St. Ägidius-Bruderschaft beteiligte sich an den Instandsetzungs- und Verbesserungsarbeiten die an der Pfarrkirche, am Ägidiusheim und am Pfarrhaus geleistet wurden. Außerdem hat sich die Bruderschaft an der Anschaffung der neuen Glocken, des Glockenstuhls und der Turmuhr beteiligt.

Quellen:
Pfarrarchiv, Kath. Pfarramt Bad Salzig
Bistumsarchiv, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, IX. Band, Dekanate Andernach, Gondershausen und St. Goar (bearbeitet von Peter Schug).
Handbuch des Bistums Trier von 1938
Bad Salzig am Rhein, Eine Ortschronik (von Heinrich Stein)
Ägidiusblatt Nr. 19/1966 und Nr. 21/1973, (Pfarrbrief der St.-Ägidius-Pfarrei Bad Salzig)