Der Kirchenschweizer

Der Kirchenschweizer

von Hans-Peter Bock

Bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-65) gab es in vielen katholischen Pfarrgemeinden den Kirchenschweizer (Kirchenaufseher), so auch in Bad Salzig. Wohl in Anlehnung an die Schweizer Garde wurde dieses wichtige Amt in der früherer Zeit eingeführt.

Als Zeichen der Würde seines Amtes trug er einen langen roten Mantel, weiße Handschuhe und ein rotes Barett. Ferner war er mit einem mannsgroßen Stab ausgestattet, den am oberen Ende eine goldglänzende Messingkugel zierte. Bei hohen Festtagen trug er einen Stab, oben mit einer Hellebarde, ähnlich der, der Schweizer Garde im Vatikan.

Der Kirchenschweizer begleitete ein würdiges Amt, das für Ordnung und Ruhe im Kirchenbereich sorgte. In den Gottesdiensten, die früher sehr gut besucht waren, wies er in der gefüllten Kirche den Gottesdienstbesuchern die Plätze zu und achtete auch auf würdige Kleidung. Bei den Kindern war er eher gefürchtet als beliebt. Geschwätzige, nicht andächtige Kinder nahm er aus den Bänken und stellte sie in den Mittel- oder Seitengang. Dort mussten sie stehend bis zum Ende des Gottesdienstes ausharren. Auch trat er bei den Prozessionen in Erscheinung. So führte er die Fronleichnamsprozession und die Bittprozessionen an.

Lange Jahre wurde diese Tradition in Bad Salzig von Wilhelm Bach, früher Kirchstraße, (daher der Hausname Schweizer - Schweizer Schorsch), Karl Friedel aus der Bopparder Straße und Peter Hammes, früher Schulstraße. Auch Ägidius Neyer aus der Bopparder Str. begleitete als Aushilfe für eine kurze Zeit dieses Amt.