Glockenabnahme 1942

Glockenabnahme im Jahre 1942

zusammengestellt aus dem Pfarrarchiv von Hans-Peter Bock

Gemäß einer Anordnung RGBl. I S. 510 mussten die Glocken aus Bronze und Gebäudeteile aus Kupfer erfasst und abgeliefert werden.
Die Kath. Kirchengemeinde Salzig lieferte von den 3 Glocken die 2 größten für die Kriegsrüstung ab, während sie die 3. und kleinste als Läuteglocke behalten durfte. Von den 2 abgegebenen Glocken ist die größte die Marienglocke mit einem Durchmesser von 96 cm und einer Höhe von 81 cm einschl. Krone. Diese Glocke hat die Jahreszahl 1471 in römischen Ziffern und eine Inschrift in gotischer Minuskelfraktur:

"maria heiße ich, in goldis eren lut man mich,
al bosen weder v(er) driben ich"

Am Mantel der Glocke befindet sich ein 7 cm scharf hervortretendes Relief, das einen Bischof im vollem Ornat (in der linken Hand einen Schlüssel und in der rechten Hand einen Bischofsstab auf einem Drachen) zeigt.
In mehreren Schreiben von Pfarrer Wendling und des Kirchenvorstandes an die Kreishandwerkerschaft der Kreise St. Goar und Simmern, sowie an den Amtsbürgermeister des Amtes Boppard-Land, wurde versucht, die Marienglocke aus dem Bestandsaufnahmebogen der Reichsstelle für Metalle bei der Kreishandwerkerschaft von der Einschmelzung zurückzustellen.
In Anbetracht des hohen Alters der Glocke, die die Reformation und den 30jährigen Krieg erlebte, die Zeit Ludwig XIV. und die Belagerung von Boppard i. J. 1689, wobei die Gemeinde Salzig das Gelübde der Notgottesprozession machte, die französische Revolution und die anschließenden Freiheitskriege überdauert hat, ist es verständlich, dass der Abtransport dieses kirchlichen Kulturgutes zur Sammelstelle in Boppard, in der Gemeinde wehmütige Trauer hervorgerufen hat.
Auch wurde von der Gemeinde das Angebot gemacht, als Ersatz für die Marienglocke die ihr verbliebene kleinste Glocke und als Gewichtsausgleich 2 Bronzeleuchter abzugeben.
Durch das Schreiben des Diözesankonservators in Trier und des Provinzialkonservators der Rheinprovinz an die Kreishandwerkerschaft wurde auf Vorschlag von dieser an der für Salzig wertvollen Glocke ein Schild mit der Aufschrift:

"Glocke ist besonders wertvoll,
von der Einschmelzung möglichst zurückzustellen"

angebracht.

Zum Glück wurde die Marienglocke nicht eingeschmolzen und erfreut uns heute noch mit ihrem herrlichen Klang.