Wallfahrt zur Schwarzen Muttergottes in Windhausen

Wallfahrt zur Schwarzen Muttergottes
in Windhausen

von Hans-Peter Bock



 

Zeichnung von Hans Jöres 1925 Der kleine Ort Windhausen erscheint erstmals 1245 als Sibrechtishusen in einem Bopparder Gerichtsprotokoll und findet sich 1387 unter dem Namen Sindeshusen in einer Bopparder Zehntteilungsurkunde. Gegen Ende des 15. Jh. taucht der Ort unter dem Namen Windhof auf. Zunächst gehörte Windhausen zur Pfarrei Halsenbach später zur neu eingerichteten Pfarrei Herschwiesen.
 

Aus der Geschichte der Wallfahrtskirche

Die Überlieferung berichtet, dass der Pächter Peter Becker von einem Hofgut bei Schloss Schöneck bei der Schwarzen Muttergottes auf der Karthause bei Koblenz Heilung von einer schweren Krankheit suchte. Da sein Gebet Erhörung fand und er wieder gesund wurde, errichtete er in Windhausen um 1780 aus Dankbarkeit eine kleine Kapelle aus Holz zu Ehren der schwarzen Muttergottes. Vorbild war die Marienstatue von der Karthause. Nach mündlichen Überlieferungen wird von Wundern und Zeichen berichtet. Auch Heilungen sollen vorgekommen sein. All diese Wunderberichte lösten einen großen Zulauf aus, so das er um 1790 eine größere Kapelle aus Stein erbauen lies.

auf dem Weg nach Windhausen Die erste Salziger Wallfahrt zur Schwarzen Muttergottes in Windhausen, Pfarrei Herschwiesen (St. Prankratius) fand gegen Ende des 18. Jh. an einem Sonntag nach dem Fest "Marie Schnee" statt. In einem rund 3 Stunden dauernden Fußmarsch auf Wald- und Feldwegen zogen die Salziger nach Windhausen um der Muttergottes ihre Anliegen vorzutragen.

Ausgelöst durch abergläubige Bräuche verbot das bischöfliche Generalvikariat im Jahre 1786 die Wallfahrten nach Windhausen und das Aufhängen von Votivbildern.

Salzig blieb aber der Verehrung der Schwarzen Muttergottes treu und bewahrte eine Bildkopie in der Kirche auf.
Als die Franzosen 1794 das Rheinland besetzten, wollten sie das Wallfahrtsheiligtum in Windhausen zerstören. Unter dem Vorwand, in Windhausen werde von fanatischen Priestern mit dem Marienkult ein böses Spiel getrieben, wurde der Kommissar Schaak aus Boppard angewiesen, mit einer Kompanie Soldaten die Kapelle zu schließen. Auch der französische Präfekt des Rhein- und Mosel-Departement erneuerte dieses Verbot im Jahre 1803, nachdem die Wallfahrten wieder aufgelebt waren.
Am 29.7.1807 stellte die Gemeinde Salzig beim bischöflichen Kommissar den Antrag, die Prozession in alter Weise unter der Begleitung eines Pfarrers vornehmen zu dürfen, um die Barmherzigkeit Gottes zu erflehen wegen der damaligen Not, der allzu lange anhaltenden Trockenheit und zum Dank für die Siege Napoleons. Der Kommissar des Bischofs von Trier genehmigte der Kirchengemeinde Salzig eine Wallfahrt nach Herschwiesen. Ziel dieser Wallfahrt sollte die dortige Pfarrkirche sein nicht die Kapelle in Windhausen.
Salzig blieb aber der schwarzen Muttergottes treu und pilgerte nach Windhausen.
"Da stand im Funkelglanz das dunkle Mirakel ... da stand es, ganz schwarz und voll Wunderpracht." (Hunsrückdichter Jakob Kneip.)

Die Weihe erhielt die Kapelle erst im Jahre 1831 durch den Dechant Klütsch aus Alken.
1844 kommt es zu einem Streit zwischen dem Salziger Pfarrer Wagner (1844-1849) und der Gemeinde. Der Pfarrer versuchte die Wallfahrt nach Bornhofen umzuleiten, da er die Wallfahrt nach Windhausen als reine Gewinnsucht der dortigen Hofleute ansah. Dank- und Bittgottesdienst in    der Gnadenkapelle Aber die Salziger zogen morgens um 4 Uhr mit Kreuz und Fahnen los und kehrten gegen 14 Uhr nachmittags oft in großer Hitze wieder zurück. Der Streit zwischen dem Pfarrer und der Gemeinde dauerte 2 Jahre. 1846 bestätigte das Generalvikariat der Gemeinde Salzig das Recht nach Windhausen zu pilgern.

In den Kriegstagen, März 1945, wurde die Kapelle durch Artilleriebeschuss stark beschädigt und konnte erst drei Jahre später unter großen Opfern wieder instand gesetzt werden. Die aufwendigste Renovierung der Wallfahrtskapelle wurde in den Jahren 1983 bis 1985 durchgeführt. Das Gnadenbild fand seinen Platz in einem aus Mermuth erworbenen Rokokoaltar, der früher in der dortigen Marienkapelle gestanden hat. Durch den Verkauf von Bausteinen auch in Bad Salzig konnte ein Teil der Kosten bewältigt werden.
Auch heute wallfahren die Bad Salzig noch nach Windhausen. Lange Zeit wurde die Wallfahrt freitagabends durchgeführt. Unvergessen bleibt das anschließende gemütliche Beisammensein im Gasthaus Gipp. Einige Jahre war die Wallfahrt sonntagmorgens und wird dieses Jahr (2007) erstmalig wieder an einem Freitagabend stattfinden.